Demokratie braucht Gerechtigkeit war der Leitgedanke der Kirchheimbolander Friedenstage 2025.
Der Vertrauensverlust in demokratische Strukturen und deren Vertreter hat vielschichtige Ursachen. Ein wichtiger Aspekt ist die Verteilung der wirtschaftlichen und finanziellen Lasten innerhalb der Gesellschaft. In den letzten 30 Jahren hat hier eine dramatische Verschiebung zugunsten weniger, extrem reicher Menschen stattgefunden. Die Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen ist gerade im Mittelstand weit höher als auf hohe Vermögenseinkünfte. Die Zahl der Milliardäre hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, während der Großteil der Bevölkerung keine Chance auf Vermögensbildung hat. Die Hälfte der Bevölkerung besitzt praktisch nichts, aber etwa 25% des gesamten Vermögens liegt in der Hand der reichsten 1 % der Deutschen.
Gesellschaftlicher Frieden braucht eine gerechte Lastenverteilung!
Vor diesem Hintergrund haben wir die Arbeit des Netzwerks Steuergerechtigkeit e.V. mit dem Kirchheimbolander Friedenstagepreis 2025 gewürdigt. Diesem Netzwerk gehören u.a. folgende Organisationen an: MISEREOR, Oxfam Deutschland, attac, VdK, ver.di, und GEW.
Im Fokus der Arbeit des Netzwerks stehen Themen wie die angemessene Besteuerung sehr hoher Vermögen oder die konsequente Anwendung bestehender Steuergesetze.
Die Themen Solidarität und Gerechtigkeit haben sich schon in den Aktivitäten der Kleinsten wieder gespiegelt.

Beim Kinder-Musical Help!, das Simone Feß von der Stadtmission mit einem starken Team auf die Beine gestellt
hat, und auch beim Martinsfest der protestantischen und katholischen Kirchengemeinde war das so.

Beim Lauf für Gerechtigkeit haben die Kitas schon Anfang September fast 2.500 € für den Friedenstagepreis
gesammelt. Beim Kinder-Musical kamen 1.400 € zusammen, das waren die beiden größten Spendenbeiträge für
den Friedenstagepreis.

Das Theaterstück GELD IST KLASSE von und mit der Millionenerbin Marlene Engelhorn war die „offizielle“
Eröffnung der 2025er Friedenstage. Mit einer fulminanten Inszenierung führte das Team um Volker Lösch 200
staunenden Zuschauern in der Stadthalle plastisch vor Augen, welche Schwachstellen unser Wirtschaftsleben
aufweist – und welche Veränderungen nötig wären, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.

Ein Höhepunkt im kulturellen Leben der Stadt, der über das Jahr 2025 hinaus nachwirken wird.


Dass Kinder Frieden wollen wurde beim ökumenischen Kindertag mehr als deutlich. Die von den Kindern gestalteten Friedensteinen sind an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet zu finden, einer davon auch am früheren Platz der Synagoge.

Der Kristallisationspunkt der Kirchheimbolander Friedenstage, die Holocaust-Gedenkfeier am Platz der Synagoge, hatte auch dieses Jahr wieder mehr als 150 Besucher. Gemessen an der Einwohnerzahl ist das sicher
bundesweit außergewöhnlich – und damit auch Verpflichtung!
Menschen sollen nicht in Angst vor Vertreibung und Gewalt, oder gar vor einem Pogrom leben müssen.

Auch deshalb engagieren sich die OMAS GEGEN RECHTS aus Rockenhausen so lautstark gegen jedwede
antisemitische, rassistische Tendenz, gegen jede Art von Diskriminierung und Ausgrenzung – dafür wurden sie
mit dem regionalen Friedenstagepreis geehrt.

Im letzten Quartal 2025 ist Gauersheim in den Fokus geraten. Der Ortsbürgermeister, Herr Schlesser wehrt sich
dagegen, dass in seinem Dorf ein Agitationszentrum für Rassismus und Rechtsextremismus aufgebaut werden soll.
Er hat in belastenden Situationen Rückgrat bewiesen. Daher hat der AK Friedenstage kurzfristig und einmütig
beschlossen, seine Standhaftigkeit zu würdigen und ihn ebenfalls mit dem regionalen Friedenstagepreis zu ehren.

Der Holocaust wirkt bis heute nach, deshalb hatte Jamill Sabbagh am 21. November sehr kompetente Gäste zu einer Podiumsdiskussion über den endlosen Konflikt in Israel/Palästina eingeladen. Dabei kamen Fakten zu Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen zur Sprache, die im öffentlichen Diskurs in Deutschland meist ausgeblendet werden. Ruth Ratter konnte dagegen mit ihren Berichten über das jüdisch-palästinensische Bildungs- und Versöhnungsprojekt Givat Haviva, wo Juden und Palästinenser gleichberechtigt leben und arbeiten, Hoffnung wecken. Diese Hoffnung hat sie auch in Workshops mit Schülern der Georg-von-Neumayer Schule weitergetragen.

Am 24. November wurde die Rotary Stiftung für ihre nachhaltige und global vernetzte Friedensarbeit mit der Friedenstaube des Landrats gewürdigt.
Am 6. Dezember waren die Friedenstage zu Gast beim Zirkus Pepperoni in Rockenhausen. Dort haben wir von MdL Katharina König-Preuss gehört, wie man in Thüringen gegen Rechtsextremismus vorgeht, Frau Preuss hat viel Erfahrung im Umgang mit der rechten Szene, und als langjährige Landtagsabgeordnete in Erfurt war sie treibende Kraft bei der Aufklärung der Verstrickung staatlicher Stellen in die Morde des NSU.
Natürlich gab es wie immer in den Friedenstagen auch besondere Gottesdienste, die protestantische, die mennonitische und die katholische Kirchengemeinde waren von Anfang an wichtige Akteure der Kirchheimbolander Friedenstage.
Kultur fördert Gemeinschaft, erweitert den Horizont und schafft gegenseitiges Verständnis. Auch dieses Jahr haben die Kulturvereine Blaues Haus, Neuer Landweg und Donnersberger Literaturverein den Friedenstagen wieder ein facettenreiches Kulturprogramm gewidmet, dafür sind wir dankbar.
Die Verleihung der Friedenstagepreise fand im Rahmen einer Friedensmatinee am Sonntag, den 7. Dezember im Westflügel der Orangerie statt. Als Laudator für das Netzwerk Steuergerechtigkeit konnten wir den ehemaligen MdB Lothar Binding gewinnen. Er hat den etwa 120 Zuhörern launig und kompetent vermittelt wie wichtig und dringlich die Arbeit dieses Teams um Christoph Trautvetter und Julia Jirmann ist. Für die OMAS GEGEN RECHTS gab es neben der offiziellen Würdigung durch MdL Frau König-Preuss auch eine begeisternde, gesungene Laudatio durch das Trio Marianelli Spratte, Angelika Tropf und Ulrike Heubeck, das die gesamte Friedensmatinee wundervoll musikalisch begleitete und bereicherte.

Insgesamt konnten wir 10.500 € an Preisgeldern vergeben. Hierfür ist in erster Linie den vielen privaten Spender*innen zu danken, die uns bei Veranstaltungen oder durch Überweisungen im Jahresverlauf unterstützten.
Die Durchführung unserer Veranstaltungsreihe hat auch Kosten verursacht, hierbei haben wir Unterstützung von der Sparkasse Donnersberg, der Volksbank Alzey-Worms, der EWR sowie von Stadt und Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden erhalten. Weitere Sponsoren waren die Rosa-Luxemburg Stiftung, die Lotto-Stiftung, die Demokratie-Förderstelle der Staatskanzlei, und nicht zuletzt die ai Ortsgruppe Kirchheimbolanden, ihnen allen sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt.
Die 2025er Friedenstage haben bis in den Februar 2026 gereicht – am 2. Februar war die frühere Bundesinnenministerin Nancy Faeser zu Gast bei der SPD-Ortsgruppe Kirchheimbolanden, um mit uns über aktuelle weltpolitische Krisen und mögliche Reaktionen darauf zu diskutieren.